Gebühren beim Arztbesuch, höhere Zuzahlungen für Arzneimittel und Krankenhausbehandlungen oder weniger Leistungen. Die Vorschläge, um das gewaltige Defizit der Krankenkassen auszugleichen, das im neuen Jahr auf alle zukommt, waren erwartbar. Vor allem, nachdem Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) mit ihrer Ankündigung, die Beiträge würden nicht steigen, schlicht gescheitert ist. Der tatsächliche durchschnittliche Zusatzbeitrag stieg zum Jahreswechsel auf 3,36 Prozent und bleibt nicht wie von der Ministerin angekündigt bei 2,9 Prozent.
Symptomatisch bei all den Vorschlägen, die aktuell in den Medien kursieren, ist allerdings, dass es in der Regel nur darum geht, die Einnahmebasis zu vergrößern. Von strukturellen Reformen spricht man weniger. Wenn dann noch Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) quasi unter dem Weihnachtsbaum in einem Zeitungsinterview Leistungskürzungen angekündigt, ist dies nicht nur ungeschickt, sondern fahrlässig.
Denn sie erstickt die Akzeptanz der Bevölkerung für dringend notwendige Reformen im Keim. Vielleicht sollte man zu Beginn eines neuen Jahres positiver in die Zukunft schauen und kommunizieren, so schwer es fällt. Ist die Bevölkerung vielleicht doch flexibler als manch einer denkt, der sie aus wahltaktischen Gründen schonen will? Würde sie Reformen, die ihnen die liebgewonnene freie Arztwahl, den unbedachten Gang (am Wochenende) in die Notaufnahme an Bedingungen knüpft, doch akzeptieren? Dazu gehört der Mut, auch unbeliebte Botschaften zu verkünden und dies klar, verständlich und nachvollziehbar – und dann die Entscheidungen auch zu treffen. Dies erwartet auch die Bevölkerung.
In die Notaufnahme nur noch nach vorheriger Abklärung über die 116117, einen festen hausärztlichen Ansprechpartner. Diese strukturellen Maßnahmen haben aus Sicht der Patientinnen und Patienten zunächst vermeintlich Einschränkungen zur Folge, aber sie sind zum Wohle der Gemeinschaft. Genau dies macht eine solidarische Krankenversicherung aus.
Jede unnötige Inanspruchnahme von Ressourcen schadet. Dies zu kommunizieren und sinnvolle Lösungen anzubieten – wie eine hausärztliche Primärversorgung und digitale Ersteinschätzungen, um den Zugang zum Gesundheitswesen sinnvoll umzubauen –, muss jetzt schnell und für die Patientinnen und Patienten sichtbar und damit wirkungsvoll umgesetzt werden.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte Sozialreformen für 2026 an. Man kann nur hoffen, dass er dabei das Gesundheitswesen ganz oben auf seiner Liste hat.
Zu allem gehört aber auch Zuversicht und die sollte man trotz aller Diskussionen haben.
Daher wünsche ich Ihnen ein gutes, erfolgreiches und gesundes neues Jahr!