die elektronische Patientenakte (ePA) gilt als größtes IT-Projekt Deutschlands, schließlich haben die Krankenkassen für circa 70 Millionen Versicherte eine solche Akte angelegt. Ab dem kommenden Mittwoch wird die ePA für alle Gesundheitseinrichtungen verpflichtend. Durchstarten wird sie damit sicher nicht. Zwar steigt die Zahl der Praxen kontinuierlich, die die ePA nutzen, wie eine Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) deutlich macht. Die Umfrage zeigt aber auch, das die Umsetzungsqualität bislang nur durchwachsen ist.
40 Prozent der befragten Praxen sind zufrieden, genauso viele allerdings unzufrieden. Drei Viertel der Praxen, die die ePA bereits nutzen, gaben an, im letzten Monat technische Probleme gehabt zu haben. Und mehr als 80 Prozent der Praxen monierten, dass die Patienten schlecht bis sehr schlecht informiert sind. Wir haben unsere Leserinnen und Leser ebenfalls befragt. Auch hier antworteten circa 40 Prozent der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, dass die Einführung schlecht bis sehr schlecht läuft. Dennoch nutzen bereits 60 Prozent der Praxen die ePA und seien „Vorreiter“ der Digitalisierung, wie KBV-Vorstandsmitglied Sibylle Steiner sagte. Dagegen nutzen nur 1,37 Millionen der 44 Millionen Versicherte der drei größten Kassen die ePA aktiv.
Bei aller Hoffnung auf Erleichterungen und stringentere Prozesse, die auch die Ärzteschaft sieht, muss man weiterhin sehr genau auf diejenigen hören, die tagtäglich mit der Akte zu tun haben. Denn einerseits kann die niedergelassene Ärzteschaft nicht den Dienstleister für die Kassen spielen und ihren Patientinnen und Patienten erklären, wie die ePA funktioniert. Und andererseits muss die Infrastruktur reibungslos funktionieren. Denn beides kostet wertvolle Arztzeit, die für den Patienten verloren geht. Und das nächste Problem steht schon vor der Tür: unserer Umfrage zufolge berichten 60 Prozent der Klinikärztinnen und -ärzte, dass die ePA bei ihnen noch gar nicht eingeführt ist. Das größte der IT-Projekt Deutschlands ist längst noch nicht beendet.
Anderes Thema: beim morgendlichen Blick in die Medien kommt man an US-Präsident Donald Trump nicht vorbei. Und das betrifft auch das Gesundheitswesen. Über die Kürzungen der USA bei der internationalen Entwicklungshilfe haben wir bereits mehrfach berichtet.
Zudem hält Trump auf seiner „Truth Social“ immer wieder mit nur einem Post die Weltwirtschaft in Atem. Vergangene Woche kündigte er Zölle von 100 Prozent für Arzneimittel an. Ausgenommen seien nur Unternehmen, die eine Produktionsstätte in den USA errichten.
Trotz der berechtigten Sorgen für den Pharmastandort Deutschland, muss man den Schnellschuss Trumps auch als solchen einordnen, denn viele Informationen fehlen noch. Die USA führen in der Tat viele Arzneimittel und vor allem deren Vorprodukte ein. Folglich würden die Zölle allerdings zu einem Preisanstieg in den USA führen. Man darf gespannt sein, wie die US-Bevölkerung reagiert, wenn dies passiert. Die EU bleibt noch gelassen und verweist auf eine „eindeutige und umfassende Obergrenze von 15 Prozent für EU-Exporte“.
Derweil herrscht weiterhin Stillstand bei der Krankenhausreform. Das Bundesfinanzministerium soll das Krankenhausanpassungsgesetzes (KHAG) blockieren. Man munkelt, der ehemalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) engagiere sich sehr im Hintergrund. Die Reform wird immer mehr zur unendlichen Geschichte.
Zudem scheint der Plan von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU), eher über Leistungskürzungen nachzudenken als Beiträge der Krankenkassen zu erhöhen, nicht aufzugehen. Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Christos Pantazis, prognostizierte für 2026 und auch 2027 steigende Beiträge. Schaut man sich die vergangenen Jahrzehnte Gesundheitspolitik an, dann muss man künftig Kostendämpfungsgesetze befürchten, während Strukturvorhaben auf die lange Bank geschoben werden. Das wäre die schlechteste aller Alternativen für ein gutes Gesundheitswesen.
Trotz allem ein stressfreie Woche!